Beispiel: Sammeln
In altmeisterlicher Manier variiert Stefan Höller
immer wieder das Thema Spargel.
Spargel - so Höller - sei Materie gewordenes
Licht.
Das Licht, das Rubens im Dekolleté
seiner Göttinen einfängt, bündelt Höller in einer
Hand voll Spargelstangen, die von zwei hellgrünen
Gummiringen zeitgemäß zusammengehalten werden.
Spargel - sagt Höller – sei das Gemüse, das in
seiner Ausstrahlung der menschlichen Haut am
nächsten käme. Auch altere er ähnlich wie diese,
nur wesentlich schneller, 68 Jahre in 24
Stunden.
Vielleicht ist es gerade dieser
Zeitdruck, der den langjährigen Gerichtszeichner
jeden Frühsommer von Neuem an diese malerische
Delikatesse fesselt.
Darüber hinaus
fasziniert den Richter-Schüler die
kulturgeschichtliche Bedeutung der
Spargeldarstellung, deren Krönung er im Kölner
Manet-Spargel sieht.
Doch bei aller Liebe
für die Tradition seines Lieblingssujets, treibt
Höller dieses auf eine neue, zeitgenössische
Spitze. In ihrer Altmeisterlichkeit erscheinen uns
die senkrecht stehenden Industriespargelstangen
in Höllers Spargelgläsern wie leuchtende Beispiele
für den festen Glauben an den immerwährenden Sieg
deutscher Wirtschaftswunder.
Ein Maler
als Denkmalpfleger.
In seinem
Wahlkampfspargel aus dem Jahre 2005 legt Höller
einem Spargelglas eine rostige Hantel zur rechten
und einen knallroten angestaubten Mini-Schutzhelm
zur Linken. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich der
schmucke Arbeitsschutz als eine Kleiderbürste –
ein Relikt aus vergangener Zeit.
Ein
Wahlkampfgoodie Gerhard Schröders.
Kein
Denkmal, nein ein Denkbild für seine Agenda 20
10.
Schade, dass es das Bild nur einmal
gibt. Als parteiübergreifender Wandschmuck, als
künsterischer Ausduck für die Leistungsfähigkeit
unseres Gemeinwesens, könnten Höllers
Spargelbilder richtungweisend wirken.
